Joachim Gauck mit großer Mehrheit zum Bundespräsidenten gewählt

Mit einem der besten Ergebnisse bei einer Bundespräsidentenwahl ist Joachim Gauck am 18. März 2012 in Berlin zum neuen Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. 991 von 1228 gültigen Stimmen entfielen auf Gauck – mit überwältigender Mehrheit stimmten die Wahlleute der 15. Bundesversammlung gleich im ersten Wahlgang für Gauck als neuen ersten Mann im Staat. Der 72-Jährige zieht als elfter Bundespräsident in Schloss Bellevue – den Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten – ein. Gaucks Wahl verlief erwartungsgemäß: Der parteilose Kandidat wurde von einer breiten politischen Mehrheit der Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP sowie der Oppositionsparteien SPD und Grüne unterstützt. Gaucks einzige ernsthafte Gegenkandidatin Beate Klarsfeld, die von der Partie „Die Linke“ nominiert wurde, kam auf 126 Stimmen.

Joachim Gauck Bild vergrößern Joachim Gauck (© picture alliance/dpa) „Was für ein schöner Sonntag!“, sagte Gauck zu Beginn seiner kurzen Rede nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Das neue deutsche Staatsoberhaupt erinnerte damit an den 18. März 1990, den Tag der ersten freien Wahlen in der ehemaligen DDR. Gauck, der in der DDR aufgewachsen ist, durfte damals im Alter von 50 Jahren zum ersten Mal bei einer freien Wahl abstimmen. Ein besonderer Moment für ihn: „Niemals werde ich diese Wahl vergessen“, sagte er in seiner Ansprache. Mit Joachim Gauck übernimmt eine Persönlichkeit mit einer interessanten politischen Biographie das höchste deutsche Staatsamt: Der Theologe arbeitete als Pfarrer in der ehemaligen DDR und engagierte sich für die kirchliche und politische Protestbewegung in der DDR, die den Weg bereitete für die friedliche Revolution 1989/1990. Im wiedervereinten Deutschland wurde Gauck 1991 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. 2010 trat er schließlich bei der Wahl zum Bundespräsidenten an, unterlag allerdings Christian Wulff im dritten Wahlgang.

Als neuer Bundespräsident erfährt Joachim Gauck einen großen Vertrauensvorschuss. 80 Prozent der Deutschen halten ihn für glaubwürdig, wie eine Umfrage des TV-Senders ARD ergab. Gut ein Drittel hat aber noch keine genaue Vorstellung, wofür das neue deutsche Staatsoberhaupt steht. Neben seinem großen Thema der Freiheit, zum dem sich Gauck in der Vergangenheit oft geäußert hat, wird er künftig auch zu anderen Fragen Position beziehen müssen. Dass er sich auf neue Themen und Probleme einlassen will, die Europa und die Welt bewegen, hat er gleich nach seiner Wahl bekräftigt. Erste Grundlinien seiner Präsidentschaft zeichnen sich bereits ab: Gauck will die Deutschen wieder mehr für Demokratie begeistern und sieht sich auch als Staatsoberhaupt für Migranten, die in Deutschland leben.

Zu seiner offiziellen Amtseinführung wird der neue Bundespräsident am 23. März 2012 im Deutschen Bundestag in Berlin vor dem Parlament und dem Bundesrat vereidigt.

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Joachim Gauck neuer Bundespräsident